Datenarchivierung und Backups für Fotografen

Hintergrund:

Ich bin ein extremer Tollpatsch und mache mir darum ständig Sorgen um sämtliche meiner Geräte und Daten. Nicht ohne Grund, denn mir ist es bereits gelungen mehrere Festplatten, ein iPad und ein iPhone zu schrotten, obwohl ich über die Jahre wirklich paranoid geworden bin. Zuletzt habe ich es geschafft, die CF-Speicherkarte mit allen geschossenen Silvesterfotos unlesbar zu machen (inkl. anschließend drei Tage Arbeit, um sie wiederherzustellen).

Darum überlasse ich jetzt nichts mehr dem Zufall und habe mir mittlerweile ein recht gutes Backup Konzept erarbeitet, dass nicht nur, aber auch für Fotografen gut einsetzbar ist und einem ggf. den Hals retten kann.
Das A und O der Datensicherung ist, nicht nur eine Form der Datensicherung zu nutzen. Denn wenn der seltene, aber nicht unwahrscheinliche Fall auftritt und auch diese ausfällt, sind die Daten für immer verloren.

Daten archivieren – Wie lange und wie schnell?

Welche Form der digitalen Datensicherung aber ist die beste, sicherste und langlebigste. Schauen wir uns dies einmal genauer an: 

Wo analoge Speichermedien, wie z.B. eine Steinplatte 100.000 Jahre überdauern, sind digitale Speichermedien eher überschaubar lange haltbar. Das größte Problem ist meines Erachtens aber nicht die geringe Haltbarkeit, sondern eher die dauernd ansteigende Menge an zu speichernden Daten. Eine Diskette konnte damals Daten verlässlich bis zu 10 Jahre archivieren, aber wer kommt heute noch mit 1,44 MB Speicher aus, wenn derzeitige Speichermedien ganze Terrabytes speichern. Der relevante Faktor ist also weniger die Langzeitkonservierung, als eine solide ständige, laufende Archivierung, welche ausgebaut und laufend ersetzt werden kann. Und bei digitalen Daten ist dies denkbar einfach. 

Meine Lösung:

Arbeitsrechner

Mein privates Konzept (und es mag sicher bessere geben) besteht aus verschiedenen Komponenten. Wichtig ist ein schnelles Arbeiten, ein zeitnahes Klon-Backup meiner täglichen Arbeitsdaten, eine wöchentliche Archivierung und als letzte Instanz eine Sicherung der wichtigsten Daten in einer Cloud. Von schnell zu langsam, von kurzlebig zu langlebig. 

Alles beginnt mit einem schnellen, aktuellen und zeitnahem System. Mein Arbeitsrechner muss meine täglichen Aufgaben schnell und effizient erledigen. Dabei geht es weniger um eine große Speichermenge (außer beim Arbeitsspeicher), als um schnellen Speicher. Mein aktuelles System verfügt über eine Menge RAM und einem 1TB Fusion Drive, welches sich Arbeitsalltag für maximale Geschwindigkeit sorgt. 

Daily Backup

Die aktuellen Daten des Tages müssen zeitnah und möglichst störungsfrei (leise und automatisiert) gesichert werden. Hierzu reicht meines Erachtens ein normaler externer Speicher. Die Arbeitsdaten müssen für mich nicht innerhalb von Sekunden gesichert werden. Hier geht es eher darum, die tägliche Arbeit wiederherstellen zu können, sollte es zu einem Datenverlust am Hauptrechner kommen. Da die Datenmengen auch hier überschaubar sind, reicht die Festplattengröße des aktuellen Arbeitsrechners als externer Speicher völlig aus. Die Time Machine von Apple macht den Rest. Für Windows-User gibt es mit Sicherheit gute Alternativen (die ich aber leider nicht kenne). Irgendwann ist aber dann auch diese Platte voll und dann weichen alte den neuen Daten. Dies ist aber nicht schlimm, denn in diesem Teil des Konzepts geht es nicht um die Langzeitarchivierung, sondern eher darum, beispielsweise Datei X von letzter Woche möglichst schnell wieder zu finden oder bei einem akuten Rechnerwechsel das System jederzeit auf den jeweils aktuellsten Stand von gestern oder heute wiederherstellen zu können. 

Monthly Backup

Die erste Langzeitarchivierung wird bei mir erst in der dritten Stufe aktiv. Ein RAID-System (bei mir ein drobo) führt selbständig wöchentlich ein Backup aller von mir selektierten, relevanten Arbeitsdaten durch (Der entsprechende Ordner wird inkrementell auf den neuesten Stand gehalten, also nur geänderte Daten neu gesichert, bzw. neue Daten hinzugenommen). Es ist nicht notwendig das komplette Arbeitssystem wöchentlich neu zu archivieren, da es durch Schritt 2 jederzeit wiederherstellbar ist. So kann zu sichernde Datenmenge auf das geringste reduziert werden.
Ein weiterer Vorteil eines RAID-Systems: Es ist erweiter- und anpassbar. Beispielsweise kann mein drobo mit mindestens zwei 500 GB Festplatten betrieben werden und im Laufe der Jahre auf 4 x 4 TB erweitert werden. Das System wächst mit. Ein Nachteil: Die Übertragungsgeschwindigkeit nimmt nicht zu (Bei mir maximal USB 2.0). Mit steigernder Datengröße werden Backups im Laufe der Jahre immer langsamer. Jedoch kann ein wöchentliches Backup von mir aus gerne auch 4 Tage brauchen, da es nebenher läuft. 

Cloud Backup

Die letzte Instanz ist dann das Sichern von ausgewählten, aber wichtigen Daten in der Cloud. Warum ist dies wichtig? Nun - sollte beispielsweise durch höhere Gewalt das eigene Heim dem Erdboden gleichgemacht werden, so kann es mitunter die finanzielle Existenz bedeuten, wichtige Daten auch außerhalb der Wohnung oder des Hauses zu sichern. 

Ausgewählte Daten deshalb, weil es oft preislich und zeitlich nicht möglich ist all die Daten über die Leitung zu schicken, die auf einem physischen Speicher vor Ort gesichert werden. Nur so als Beispiel: Ein Foto-Job mit 400 Fotos kann - je nach Format und Pixelzahl der Fotos - schnell 10GB Daten bedeuten. Das Sichern dieser 10GB Daten auf ein Cloud-System bei Standard-DSL-Leitung von 6 MBit kann dann, bei durchlaufendem Backup ohne Unterbrechung, schnell eine komplette Woche dauern. Bei mehreren Jobs in der Woche kommt das Backup mit der Geschwindigkeit nicht mehr nach. Bei Cloud-Backups muss das Backup-Verhalten somit der verfügbaren Bandbreite angepasst werden. Sei es, dass nur wichtige, bearbeitete Fotos gesichert werden oder nur die Auswahl nach dem ersten Aussortieren eines Shootings.  

Fazit

Es mag mit Sicherheit bessere, noch sichere und schnellere Methoden geben. Vielen Sicherheitsfanatikern mag die Cloud als einziges Speichermedium außer Haus nicht sicher genug sein. Nur zum Vergleich: Bei großen Hollywood-Produktionen existieren teilweise bis zu 5 Kopien des Rohmaterials an verschiedenen Orten. Wer die Möglichkeit oder Geduld dazu hat, kann dies natürlich gern tun, doch in meinem Fall reicht die Cloud völlig aus.

Daniel Edlauer

Neuss, Neuss, Germany

Wedding & Portrait Photographer | Lust for Life | Always on the run for the perfect shot.