Irland 2013 - Tag 4: Von Enniskerry nach Arthurtown

Ein Blick aus dem Fenster brachte die Gewissheit, dass die Iren ihr Wetter ganz gut kennen. Der angekündigte Regen war über Nacht angekommen und es sah nicht danach aus, als ob er zeitnah vorbei wäre. Wir wussten also, dass wir den heutigen Tag größtenteils im Auto verbringen würden - zumindest so lange, bis der Regen sich auflösen würde.

Irischer Regen 

Zum Trost hatten uns Noel und Josy, unsere ersten Gasteltern, ein wirklich traumhaftes Frühstück zubereitet. Es ließ wirklich kaum Wünsche offen. Ein wahrhaftig gigantischer Unterschied zu dem Frühstück im Hotel, was jetzt auch nicht wirklich schlecht war, dagegen aber deutlich nach Punkten verlor.

Wicklow Mountains

Südlich von Dublin erstreckt sich eine langgezogene Berglandschaft - die Wicklow Mountains. Dort wurde unter anderem der Film "PS: Ich liebe dich" gedreht. Noel brachte uns vom Plan ab die Ostküste zu befahren, da die Mountains die landschaftlich bessere Strecke wäre. Wir befolgten seinen Rat und eine halbe Stunde später durchführen wir bereits die Wicklow Mountains. Und Noel sollte Recht behalten - die Landschaft war grandios. Auch wenn das Wetter kalt und nass war, bot der Anblick doch so Einiges.  

Wicklow Mountains

Wicklow Mountains

Ich freundete mich immer mehr mit der spiegelverkehrten Verkehrswelt Irlands an. Und gerade abseits der Orte war es eher ein Kinderspiel. Es gab eh nur eine enge Straße und es war oft nicht klar, ob jemand eher auf der linken oder rechten Spur fuhr. Selten kam uns mal ein Auto entgegen und ein Handynetz gab es auch nicht.

Irlands Ruf hält sich durchaus wacker. Es gibt überall Schafe - und damit meine ich überall. Das lästige: Sie gehen auch mit penetrantem Hupen nicht von der Straße. Hier gibt es jedoch einen Trick, den ich mir erst später auf der Reise von einem irischen Schäfer abgucken würde. Dazu also an späterer Stelle mehr.

Wicklow Mountains

Wicklow Mountains

Unser weg durch die Wicklow Mountains führte uns ins alte Glendagough - eine unglaublich alte Stadt mit Friedhöfen und Ruinen aus der Zeit der Kelten. Es hatte schon was sich dort umzusehen. Leider nur solange, bis der nächste Bus mit deutschen Touris in quietschbunten (oder wahlweise auch in Jack-Wolfskin-) Regenjacken erschien.  

Glendagough

Zum Nachmittag hin wurde es dann in der Tat noch einmal etwas freundlicher. Die Wolken verzogen sich und immer mehr Blau war zu sehen. Sollte sich der irische Regentag doch nur als eine kleiner Sturm im Wasserglas entpuppt haben?

Irgendwann machten wir einen Knick, um noch einen von Noel‘s Ratschlägen zu folgen und Kilkenny zu besuchen. Was wie eine Southpark-Episode klingt, ist ein kleines Örtchen westlich der Wicklow Mountains, in dem nicht nur das weltbekannte Kilkenny Bier gebraut wird, sondern durch den Bischofssitz ab dem Jahre 1202 auch geschichtlich viel geboten wird. Der mittelalterliche Stadtkern und das Kilkenny Castle bilden das Zentrum dieser Geschichte.  

Kilkenny Castle

Kilkenny Castle

In Kilkenny aßen wir unsere beste Pizza in Irland. Ich weiß - normalerweise sollte man sich regionalen Spezialitäten zuwenden, wenn man schon die Möglichkeit hat - aber das taten wir später noch. Die Pizzeria war jedoch recht bekannt und der Besitzer ein waschechter Italiener, der uns schnell als Deutsche identifizierte und sich mit uns zunächst über Fußball unterhielt und anschließend noch eben seine Lebensgeschichte erzählte. Aber die Iren haben Zeit und sind stets offen für ein nettes und ehrliches Quätscherchen. 

In Kilkenny überlegten wir uns dann das Tagesziel, welches wir noch erreichen wollten - die südliche Küste Irlands. Leider wird im Südteil, östlich von Waterford, die Insel von einer lästigen Bucht getrennt. Wir hatten aber sowohl Ziele auf der Ost- als auch auf der Westseite dieser Bucht. Durch ihre Länge war es nicht möglich an einem Tag zum unteren Zipfel des Ostteils und auch noch zum Zipfel des Westteils zu fahren. Also entschieden wir uns für eine Übernachtung an einem strategischen Punkt in der Mitte, wo es auch eine Fährverbindung gab – dem kleinen Fischerort Arthurstown. Dieser hatte - laut Tripadvisor - auch ein sehr schön gelegenes und günstiges Bed & Breakfast. 

Der restliche Teil der Fahrt dorthin wurde leider wieder von sehr wechselhaftem Wetter begleitet.

Durch unsere relativ späte Ankunft gegen halb neun und dem schlechten Wetter war uns der Besuch des Dunbrody Abbey, eine ehemalige Zisterziensermönchsabtei, verwehrt. Es war bereits geschlossen und es goss aus Eimern. Ich zwang mich dennoch zu einem Foto. Heraus kam ein mystisches, dunkles und stimmungsvolles Bild im bewölkten Abendlicht.

Dunbrody Abbey

Das verschlafene, kleine Arthurstown ist in der Tat ein unscheinbares kleines Fischerdörfchen in dem nicht viel los ist. Zum Glück hatten wir bereits in Kilkenny gegessen, sonst wären wir hier aufgeschmissen gewesen. Unser B&B war inmitten dieser Idylle mit Blick auf den Ausläufer des Meeres gelegen.

Glendine Country House

Doch wurden wir zum Abend hin noch mit aufbrechenden Wolken belohnt, was uns dazu bewegte noch einmal zum Fischerhafen zu spatzieren und einen malerischen Sonnenuntergang über dem Meer zu erleben. Wir waren mit einem anderen Paar die einzigen Gäste im Haus und somit hatten wir eine göttliche Nachtruhe und schliefen beide wie ein Stein.

Daniel Edlauer

Neuss, Neuss, Germany

Wedding & Portrait Photographer | Lust for Life | Always on the run for the perfect shot.