Irland

Irland 2013 - Tag 9+10: Cliffs of Moher, Clifden, Achil

Die berühmten Cliffs im mittleren Westen der Insel sind so oft fotografiert und dokumentiert, dass wohl kein Tourist an ihnen vorbei kommt - die Cliffs of Moher. Doch bevor wir diese Attraktion ansteuerten wollten wir zur Einstimmung den Loop Head befahren, der von Kilkee aus in Richtung Süden an der Küste vorbei führte. Auch dort gab es imposante und rauhe Cliffs - und das kostenlos. Im Grunde fragten wir uns, was die Cliffs of Moher uns darüber hinaus noch bieten könnten.

  

Loop Head, Kilkee

Loop Head, Kilkee

Loop Head, Kilkee

Kurzum: Was wir geboten bekamen war eine gigantische touristische Inszenierung. Ein Parkplatz in der Größe des Disneylands, ein Touristenzentrum mit überteuerten Souvinieren und gefühlte drei Milliarden Menschen auf einem Fleck. Wir fühlten uns nicht gerade wie einsame Entdecker.

Dennoch - die Cliffs of Moher sind imposant, das muss man ihnen lassen. Wenn man sich die gewaltigen Klippen anschaut, ohne vorher an anderen Stellen an der mittleren Westküste gewesen zu sein, dann kann das schon beeindrucken.

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

 

Doch das Ambiente stimmt nicht und die Masse an Menschen rechtfertigt nicht den hohen Preis, den man dafür zahlen muss. Uns hat der Loop Head deutlich besser gefallen. Dort hatte man das Gefühl, die Welt zu erkunden. Wir blieben also nicht allzu lang, spazierten ein wenig mit der Masse an den Klippen vorbei und schauten Teenies bei irrwitzigen Fotos möglichst nah am Abgrund zu. 

So schnell der Disneyland-Parkplatz vor uns aufgetaucht ist, so schnell verschwand er auch wieder. Und der Weg führte uns mitten in den Burren National Park - einer riesigen Steinwüste. Wenn jemand noch Steine sucht - dort wären noch ein paar zu finden. Steine hinter Steinen, soweit das Auge reicht – und kein Grün in Sicht. Ein sehr befremdlicher Anblick, im sonst so grünen Irland.

The Burren National Park

 

The Burren National Park

Und mitten in der Steinwüste findet sich sich der Poulnabrone Dolmen - ein fast 6000 Jahre altes Keilgrab aus Stein. Es lohnt sich ein kurzer Besuch auf dem Parkplatz. Bei viel Glück erwischt man, wie wir, einen Zeitpunkt zwischen zwei Touri-Bussen. Doch dies ist nicht von langer Dauer und man sollte es deshalb nutzen und genießen.

Poulnabrone Dolmen

Hinter der Steinwüste geht es durch Galway – einem der größeren Orte Irlands. Und anschließend, hinter der Bucht, wieder in Richtung Küste, wo man irgendwann zwangsläufig in Clifden landet. Dieser Ort ist ein kleines, niedliches Fischerdorf mit netten Pubs - und wieder ein guter Ausgangspunkt für diverse Ausflüge mit toller Aussicht. Dieser Teil des Landes ist jedoch weniger grün, als steinig und eher rauer. 

An diesem Abend checkten wir einen Pub, in dem zwei irische Musiker spielten - natürlich irische Volkslieder. John und Lol waren ganz cool und empfahlen mir, nach einem netten Gespräch, einen sieben Jahre alten irischen Jamesons, den ich prompt bestellte.

 

Clifden

Clifden

Die Musik war klasse, endete aber viel zu früh. Gegen zehn packten die beiden zusammen - draußen war es noch hell. Die Abschaffung der Sperrstunde hat sich wohl noch nicht in allen Teilen des Landes herum gesprochen.

Galway

Galway

Galway

In dem Pub entdeckte ich auch mein ganz persönliches Highlight. Einen waschechten alten Iren, der wankend und mit viel Spaß den Pub belustigte und dort offenbar recht bekannt war.

Da ich eh unbedingt ein Portrait eines Iren mit nach Hause nehmen wollte, sprach ich ihn irgendwann an. Nach einigem Smalltalk fragte ich, ob ich von ihm ein Portrait schießen darf, da ich unbedingt ein Foto eines waschechten Iren schießen wollte. Daraufhin fragte er „Where do you come from“? Und ich antwortete „Germany“. Darauf antwortete er im perfekten Deutsch „So kann man sich irren“ und grinste mich an. Da hatte ich an einem der entlegensten Flecken Irlands den wohl unscheinbarsten deutschen Iren gefunden.

Ich hakte das Erlebnis als lustige Anekdote ab, werde es so schnell nicht vergessen und habe natürlich trotzdem ein Foto von Jo, alias „Johannes“ geschossen.

 

Galway

Am nächsten Tag ging es weiter in den Norden. Mit kurzem Halt an der Kylemore Abbey, einem berühmten, aber überteuertem Kloster mit schönen Gärten. Das Wetter war allerdings an diesem Tag echt mies, weshalb wir uns das Geld sparten.

 

Kylemore Abbey

Wir machten durch den Regen an diesem Tag viele Kilometer und landeten letztlich auf der etwas unspektakulären Insel „Achil“. Dort fuhren wir bis zum Zipfel der Insel - leider mitten in eine Wohnwagensiedlung mit überteuerten Restaurants, was etwas schade war.

Achil Island

Achil Island

 Das Wetter auf Achil Island ließ uns nicht viele Möglichkeiten. Und so reichte es nur für eine kurze Besichtigung des dortigen alten „Deserted Village“, einem 200 Jahre alten Dorf mit Steinhäusern. 

Deserted Village, Achil

Was wird die letzte Etappe vor dem Kurzbesuch in Nordirland bringen? Und was erwartet uns am nördlichsten Teil Irlands? Noch zwei Berichte stehen aus. Dann geht es wieder nach Hause.

Irland 2013 - Tag 8: Von Killarney nach Kilkee

Nach dem unglaublich schönen Tag auf den südlichen Halbinseln lag die für mich spannendste noch vor uns. Im Vorfeld wurde meine Erwartungshaltung aufgrund von Erzählungen aufs Äußerste getrieben. Es war die Halbinsel Dingle, in die ich meine Hoffnung legte, mir den Atem zu rauben.

Doch es kam wie es kommen musste. Bisher eigentlich mit gutem Wetter gesegnet sah ausgerechnet dieser Tag alles andere als gut aus. Das Wetter kam mit Ansage und es hatte epische Ausmaße.

Dingle

Die Sichtweite betrug teilweise nur wenige Meter - Was wir von Dingle sehen konnten war im Grunde nichts. Meine Laune war auf dem Tiefstand, zumal wir im Zeitplan ein wenig zurück lagen und ich wusste, dass wir uns einen zweiten Tag in der Umgebung nicht leisten konnten. 

Ein Zwischenstopp am Lake Annascaul zeigte das Ausmaß des Verderbens.

Lake Annascaul

Aber wir hatten keine Alternative - wir mussten unseren Plan durchziehen, denn das hatten wir vor der Reise so beschlossen. Also war nur die Flucht nach vorn möglich. Und siehe da - mit jedem Meter, den wir zurücklegten wurde das Wetter etwas besser. 

Als wir in der Stadt Dingle ankamen war zumindest der Nebel weg und die Wolken brachen ab und an auf. Es reichte jedoch nicht, um uns mit einer Bootstour auf die Suche nach Funghi zu machen - dem Delfin, der es sich seit einiger Zeit in der Bucht von Dingle gemütlich macht.

Dingle

Wir beschlossen der Insel mehr Zeit zu widmen, da wir ahnten, dass sich das Wetter vielleicht wirklich noch verbessern könnte. Und das tat es. Als wir uns dem Kopf der Insel näherten war am Horizont bereits wieder blauer Himmel zu erkennen und ich konnte endlich wieder lachen.

Dingle

Dingle

Dort genehmigten wir uns dann erst einmal einen Kaffee in einem kleinen Café, in dem eine Frau Bilder rahmte. Sie hatte alle Zeit der Welt, unterbrach für uns ihre Arbeit, um uns einen gewohnt großen Pott Kaffee zuzubereiten, mit dem wir anschließend erst mal eine Zeit lang beschäftigt waren. In der Zeit rahmte sie eifrig weiter ihre Bilder. 

Dingle 

Dingle

Dingle - Dunmore Head 

Am Dunmore Head konnte man fast von Bombenwetter sprechen. Der Kopf der Insel mündet in einem kleinen Hügel, den wir als interessant und hoch genug empfanden um ihn besteigen zu wollen. Einige Meter später fanden wir uns jedoch an einem abgesperrten Bereich wieder und der Head selbst sollte wohl nicht bestiegen werden... Kurzum: Wir taten es trotzdem. Und wir waren nicht die Einzigen. Vor allem aber begleiteten uns wieder einige Schafe. 

Dingle - Dunmore Head

Der Blick von Oben belohnte den Aufwand mit einem 360-Grad-Rundumblick der besonderen Art. Wir blieben auch recht lang dort oben und genossen die Aussicht und den sich aufklarenden Himmel.

Dingle - Dunmore Head

Dingle - Dunmore Head

Dingle - Dunmore Head

Der Rückweg führte uns wieder nach Dingle und von dort wollten wir den legänderen Connor Pass befahren, der die Insel von Nord nach Süd durchfahren lässt. Dadurch verzichteten wir auf einen großen Teil der Insel, was der Pass selbst jedoch wieder gut machte. Erneut konnten wir Landschaften wie auf Gemälden mit den eigenen, ungläubigen Augen betrachten.

Connor Pass

Connor Pass

Connor Pass

Das Wetter blieb zum Glück relativ beständig. Zumindest war kein Nebel oder Regen mehr in Sicht. Doch ließen Probleme der organisatorischen Art den Tag letztlich so chaotisch enden, wie er begann. Eigentlich war der Plan mit der Fähre von Tabert nach Kilrush überzusetzen, damit wir uns den rund 2 Stunden langen Weg außen herum sparen konnten. Doch wir verpassten die Fähre um wenige Minunten. Das alleine war ärgerlich. 

Doch aus irgend einem höheren Grund fuhr die sonst halbstündig ablegende Fähre in der Stunde unserer Ankunft nicht. In dieser war dann eine Stunde lang Pause, statt 30 Minuten. Nun lohnte sich natürlich für den Preis von 20 EUR das Warten mal überhaupt nicht, wenn der Weg mit dem Auto nur eine halbe Stunde länger dauern würde. Also drehten wir um und umfuhren die 130 km lange Bucht für eine Fähre, die eine Strecke von 5km zurückgelegt hätte. 

So kamen wir letztlich etwas KO in Kilkee an. Und damit erreichten wir den etwas rauheren Teil der westlichen Seite. Die Zeit reichte gerade noch so aus, um nach dem Einchecken in unserem bisher schlechtesten B&B, noch zum West End zu fahren und im Sonnenuntergang die gewaltigen Cliffs zu bestaunen.

 

Kilkee Cliffs

Kilkee Cliffs

Kilkee Cliffs

Was erwartet uns an den berühmten Cliffs of Moher? Wo ist Irland gar nicht so grün? Und was passiert mir wohl, wenn ich einen waschechten Iren finde, der sich von mir portraitieren lassen will?

Irland 2013 - Tag 5: Von Arthurtown nach Bantry

Von Arthurstown aus starteten wir, nach einem weiteren, sehr guten Frühstück, zur südlichen Küste zum dort angelegten Leuchtturm. Das Wetter war warm mit einem Sonne-Wolken-Mix, wie wir es schon aus den ersten Tagen kannten. Also wieder tolles Wetter!

Die Fahrt ging dann doch recht schnell, weil es eine neu ausgebaute Straße gab (Yeeehaaa). Er war rundum etwas abgeschottet, mit Museum und Shop für die klassischen Bus-Touris. Doch waren dort nur wenige Besucher zu finden. Die Küste hinter dem Turm war um einiges interessanter - felsiger Boden, der ins Meer führt. Als könne man dort unten weiter spatzieren gehen.

Südliche Küste nahe Arthurstown

Anschließend ging es mit der Wexford-Fähre durch die Bucht auf die andere Seite und von dort aus per Schnellstraße auf direktem Wege nach Cashel, wo wir einen Vorgeschmack auf die touristischeren Ecken Irlands bekamen (die eigentliche Touri-Hölle sollte an einem späteren Zeitpunkt folgen). 

Blick von der Wexford-Fähre 

Das sich in Restauration befindendende Castle - der Rock of Cashel - wollten wir dennoch nicht auslassen, da es eine interessante Geschichte hat. Die Burg liegt auf einem Berg und hat rundum einen weiten und guten Blick ins Tal. Ein strategisch wichtiger Vorteil im Mittelalter. 

Warum er berühmt ist? Der heilige Patrick - Irlands Schutzpatron himself, soll dort einen Bischofssitz errichtet haben. Bei der Zeremonie soll Patrick allerdings aus Versehen den Bischofsstab in den Fuß einer der Anwesenden gestoßen haben. Dieser ging jedoch davon aus, dass es sich um einen Teil des Rituals handelt und hat vorsichtshalber mal keinen Mucks von sich gegeben. 

Den Rock of Cashel konnte ich leider nur in einer einzigen Perspektive, ohne Sicht auf die Großbaustelle, fotografieren.

Rock of Cashel

Rock Of Cashel

Von Cashel aus und unserem kleinen Ausflug ins Landesinnere, fuhren wir zurück an die südliche Küste - nach Cobh. Vor langer, langer Zeit hieß dieser Ort „Cove“, abgeleitet von „Bucht“. 1849 besuchte Königin Viktoria con England das Örtchen und so wurde aus Cove das geschichtlich sehr bekannte Queenstown. So hieß der Ort bis 1922 und wurde dann aufgrund der Unabhängigkeit Irlands in den alten Namen umbenannt - dann aber mit der irischen Schreibweise „Cobh“. 

Queenstown hat wohl jeder schon mal irgendwie gehört, aber so richtig einordnen können es wohl wenige. Der Ort war der letzte Anlegeplatz der Titanic vor der ersten (und bekanntlich letzten) Reise über den Atlantik. Darüber kann man sich vor Ort einige Infos im Museum „Heritage Centre - the Queenstown Story“ holen. Und das ohne auch nur ein einziges Poster von Leonardo DiCaprio sehen zu müssen.

Anlegeplatz der Titanic

Titanic Monument

In Queenstown fassten wir den Entschluss bis zum Abend die Westküste zu erreichen.  Das bedeutete, dass noch einige Kilometer vor uns lagen und wir relativ wenig stoppten. Einen kleinen Schlenker machten wir dennoch. In dem kleinen Örtchen Dromberg, etwa auf der Hälfte des Weges zur Westküste, gab es Steinkreise aus der Zeit der Kelten. Diese sind überall auf der Insel zu finden, doch dieser ist einer von der größeren Sorte. 

Nachdem wir uns erst einmal verfuhren und uns ein zunächst verwirrter, dann amüsierter irischer Farmer gutmütig mit einem Quätscherchen aufhielt, fanden wir die Steinkreise und blieben ein paar Minuten dort (siehe Foto aus der Bordkamera). Die Aussicht hatte was - das muss man den Kelten lassen. Da hätte ich meine Steine wohl auch hingestellt.

The Irish Farmer

Dromberg Stone Circle

Gegen 10 Uhr erreichten wir dann Bantry, welches ungefähr in der Mitte der vier Halbinseln liegt. In Bantry würden wir zwei Nächte übernachten. Das dafür eigens ausgesuchte B&B Atlantic Shore war eine Empfehlung unseres Reiseführers. Da auch Tripadviser nur Gutes für das Haus übrig hatte, schlugen wir zu. 

Wie nennen die herzlichen Iren ihre Lieblingsgäste? Wie kommt es, dass wir plötzlich auf usnerer Irland-Reise in der Karibik landeten? Wo haben Maler ihre Impressionen her?

Und gibt es am Sheep‘s Head auch wirklich Schafe?