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Mein Moment #1: Cloud Attack

”Cloud Attack" in Valley of Fire, Nevada, USA (13. Oktober 2012)

Viele Fotografen haben Blogs. Ich bin nicht naiv. Ich bin natürlich nur einer von Vielen und sicherlich auch nicht der Letzte, nicht der Schlechteste und garantiert auch nicht der Beste. Doch letztlich geht es ja bei einem Blog erst einmal nur darum, dass man selbst etwas zu zeigen hat. Und wie man es sich bei einem Blog mit dem Fokus Fotografie denken kann, habe ich tatsächlich was zu zeigen. 

Darum suche ich euch in unregelmäßigen Abständen etwas aus meinem bisherigen Portfolio raus und erzähle die Geschichte zum Bild. 

Und das erste Foto in dieser Reihe heißt "Cloud Attack".

Es entstand im Oktober in unseren Flitterwochen an der Westküste der USA im Valley of Fire. Am Tag zuvor waren wir bei Regen in Las Vegas angekommen. Bei 10 Tage Regen auf ein Jahr in Nevada, schon eine Menge Pech. Doch des Einen Pech ist des Anderen Glück. Das wolkige Wetter begleitete uns auch am nächsten Tag noch, als das Valley of Fire auf unserem Plan stand. Auslassen wollten wir den Ausflug aber auch nicht.

Da wir ohnehin mit dem Mietwagen unterwegs waren und das Valley nur eine Stunde von Las Vegas entfernt ist, wagten wir es trotzdem. Und es lohnte sich. Nicht nur habe ich eine ganze Menge atemberaubender Fotos geschossen, wir hatten auch letztlich kaum Regen und einen ständigen spannenden Mix aus blauem Himmel auf der einen, und dramatisch gewittrigen auf der anderen Seite. Auf unserem Rückweg von der Fire Wave (siehe Foto des ersten Blogposts), umschlossen sich dann plötzlich die "bösen" Wolken um einen kleinen Felsblock, der mitten in der Landschaft stand. Da Kamera und Stativ eh die ganze Zeit bei mir waren, konnte ich diese dramatische Szene sofort festhalten. Das Foto stellte sich hinterher als eines der tollsten Bilder des Urlaubs heraus, da es die Schönheit dieses Nationalparks mit diesem seltsamen Wetterschauspiel verbindet, welches uns an diesem Tag begleitete. Nichts, was man so schnell wieder vergisst.

Ein wenig technischer Hintergrund:
Das Foto wurde mit Blende 11 und einer Belichtung von 1/200, mit ISO 100 geschossen. Zum Einsatz kam mein Ultraweitwinkel von Sigma (10-20mm), wobei ich die 10mm komplett nutzte, um so viel wie möglich von Wolken und Landschaft auf den Sensor zu bekommen.  

 

Der Moment

Es ist 2013. Ein Jahr, von dem ich früher immer dachte, dass wenn ich es erreichen würde, es sehr weit in der Zukunft sein würde. Und das ist auch so. Aus Sicht derer, die "Zurück in die Zukunft" noch als Kind geschaut haben, ist es definitiv die Zukunft. Denn in 2 Jahren ist die Zukunft aus dem Film ja schließlich schon Vergangenheit.

So etwas deprimiert natürlich. Nicht weil das Jahr bald erreicht ist, sondern auch, weil unsere Autos noch lange nicht fliegen können.

Doch halten wir einfach mal fest - es ist eigentlich die Zukunft in der wir heute leben. Wir fragen uns ständig - was kommt morgen und was war gestern? Niemand fragt sich, was jetzt gerade passiert. Zumindest tun wir dies immer weniger.

Wie denn auch? Es passiert so unglaublich viel. Und es passiert alles live - im Netz sind wir quasi überall auf der Welt dabei. So viele Bilder, Eindrücke, Gefühle, Gedanken. Und all das sollen wir noch bewusst erleben können? Dass unsere Köpfe dabei nicht explodieren ist fast ein Wunder. Und darum halten alle Momente jetzt einfach aus Prinzip für die Ewigkeit fest - jeden Scheiß. Wichtig oder nicht. Denn schließlich können wir selbst fast schon nicht mehr erkennen, was ein guter Moment überhaupt ist. Google und Facebook sind also ständig dabei - und entscheiden nebenbei bequemerweise noch für uns, was wichtig ist. Denn nur das, was sie für wichtig erachten, wird auch unseren Freunden präsentiert.

Ist das alles nicht traurig? Ich finde es traurig!!! Es fehlt uns an so vielen Dingen und das Einfachste von allem lassen wir ständig an uns vorbeiziehen. Und es passiert so schnell, dass ich morgen schon nicht mehr weiß was gestern war. Und selbst wenn Facebook es für mich speichert, hab ich nicht mehr das Gefühl, dass ich wirklich dabei war. Es fühlt sich nicht mehr echt an. Eben weil ich es gar nicht wirklich bewusst erlebt habe.

2012 war mein Schlüsseljahr der Erinnerungen. Ich habe in diesem Jahr so viele wundervolle Eindrücke bewusst ins Gehirn eingebrannt. Momente voller Freude, Euphorie, Spaß, Wärme und Liebe. Und das Wenigste davon findet ihr auf meiner Facebookseite.

All diese Momente hatten etwas gemeinsam. Immer machte es

*klick*

Und das nicht nur sprichwörtlich. Nein, auch geräuschmäßig. Die besten Momente 2012 habe ich meistens bewusst fotografiert oder fotografieren lassen. Nicht mit so einer blöden Handy-iPhone-schnell-angemacht-und-zack-Knipse, nein. Ich habe mir dabei Gedanken gemacht, wie ich diese Situation so festhalte, dass mir das eine Bild für alle Zeit hilft, mich wieder bewusst an diese Situation erinnern zu können. Mit allen Gefühlen, Eindrücken und allen Sinnen, die daran beteiligt waren.

Zugegeben. Dies fiel mir anfangs schwer, aber mit der Zeit immer leichter. Und nach einem kompletten Jahr habe ich es sogar geschafft, nicht nur meine eigenen Momente festzuhalten, sondern auch ein paar der Momente anderer Menschen. Bilder bei denen sie sagen, dass es der Moment war.

Und DAS waren Momente, in denen es kribbelte. Momente, die mir extrem viel gegeben haben. Seitdem bin ich süchtig. Süchtig nach diesen Momenten und ständig auf der Suche. Für mich und für andere. Verpasse ich sie bin ich sauer, finde ich sie freue ich mich. Und drücke ich dann den Auslöser bin ich glücklich.

Wenn ich sie dann Zuhause von der Kamera auf den Mac kopiert habe und sie anschaue suche ich das eine Bild wieder. Und meistens finde ich es. Es ist dann dieses eine Bild, bei dem es funkt. Das mich lächeln lässt.

Und dann kommt es immer wieder - das Kribbeln.

 

 

”The Fire Wave" in Valley of Fire, Nevada, USA (13. Oktober 2012)