Der Tages­ab­lauf erfolg­rei­cher Men­schen

Rou­ti­nen und Rituale sind aktu­ell total im Trend. Jeder zweite Pod­cast emp­fiehlt den „Mira­cle Morning“ und damit den Tag mit Ritua­len zu star­ten. Früh auf­ste­hen, Tee trin­ken, medi­tie­ren, ein Schreib­jour­nal pfle­gen, usw. usw. Denn das sei es wie der Tages­ab­lauf erfolg­rei­cher Men­schen beginnt.

Es wird immer wie­der gerne erwähnt, und wie dis­zi­pli­niert diese Men­schen ihren Tag meis­tern. Und das sie genau DAS von uns nor­ma­len Men­schen unter­schei­det. Mit eige­ne­rer Dis­zi­plin und Ritua­len ihren Tag mög­lichst effi­zi­ent zu gestal­ten. Ich möchte mich dem Thema heute aus wis­sen­schaft­li­cher und psy­cho­lo­gi­scher Sicht nähern und vor allen Din­gen — neu­tral. Damit du dir ein eige­nes objek­ti­ves Bild machen kannst.

Denn Rou­ti­nen und effi­zi­ente Ver­hal­tens­wei­sen sind nicht ange­bo­ren und kön­nen auch nicht ein­fach so erlernt wer­den. Die Wis­sen­schaft dahin­ter ist extrem kom­plex und hat mit Boten­stof­fen, dei­nem Gehirn und sogar dei­nen Genen zu tun.

Meine Erfah­run­gen

Ich bin ganz ehr­lich — ich habe diese Mor­gen­rou­ti­nen aus­pro­biert — und ja, sie waren wirk­lich gut. Und ich habe es sogar zu einer Zeit aus­pro­biert, in der es nicht ein­fach war. Meine kleine Toch­ter war in ihrem zwei­ten Lebens­jahr und mor­gens eine leichte Schlä­fe­rin. Sie wachte häu­fig auf, als ich mit­ten in mei­nem Mor­gen­ri­tual war. Ich hab’s echt ver­sucht und auch ziem­lich nach „Lehr­plan“. Diese Zeit, von etwa vier Mona­ten, gehörte zu der pro­duk­tivs­ten, die ich bis­her in mei­nem leben hatte. Der Out­put war wirk­lich sehr gut. Alleine darum kann ich mir gut vor­stel­len, warum Mor­gen­ri­tuale zum Tages­ab­lauf erfolg­rei­cher Men­schen gehört.

Anfang 2018 tes­tete ich sehr ambi­tio­niert, über meh­rere Wochen, eine Mor­gen­rou­tine, die so oder ähn­lich auch bei ande­ren gut funk­tio­niert hat:

Gerade das frühe auf­ste­hen selbst hat mir extrem gut getan. Ich war mor­gens viel weni­ger KO als wenn ich um 6:30 Uhr auf­stehe.

Diese Rou­tine hat auch wun­der­bar geklappt — Ca. 3 Monate lang. Dann war irgend­was — ich bin krank gewor­den oder wha­te­ver, irgend­was, das die­sen Pro­zess unter­bro­chen hat und plötz­lich war alles war im Eimer. Was übrig blieb war mein Bul­let-Proof-Cof­fee, die kalte Dusche und das Müsli…

Mein größ­tes Pro­blem

Mein Pro­blem war tat­säch­lich immer das frühe Schla­fen­ge­hen. Denn damit du um 5 Uhr auf­ste­hen kannst musst du defi­ni­tiv spä­tes­tens um 22 Uhr schla­fen — also um 21:30 Uhr im Bett sein. Sonst bekommst du ein­fach zu wenig Schlaf. Um 22 Uhr kann es aber durch­aus sein, dass ich noch arbeite. Gerade in Zei­ten, in denen sich die Arbeit häuft. Und das macht dann natür­lich das Mor­gen­ri­tual zunichte. Denn kein Ritual der Welt kann so wich­tig sein, dass man auf­grund von Müdig­keit dafür den kom­plet­ten Tag ver­liert. Spä­ter auf­ste­hen und trotz­dem das Ritual durch­zie­hen ist mit (und für viele ohne) Kind ein­fach keine Option. Darum war das Ritual immer mit extre­men fami­liä­ren Ein­bu­ßen ver­bun­den und sehr ego­zen­trisch. Viele erfolg­rei­che Men­schen sind extrem ego­zen­trisch. Viele schon eher nar­ziss­tisch. Ich bin das nicht. Darum war es für mich immer schwie­rig. Gerade Schlaf ist ein aktu­ell stark umforsch­tes Feld — lies dir dazu gern mal durch, was die Wis­sen­schaft dazu sagt.

Wenn du aber jemand bist, der Abends abschal­ten kann und nicht mehr arbei­ten muss, dann könnte es bei dir tat­säch­lich funk­tio­nie­ren. Denn es ist schon so, dass ein Ritual eine gewisse Auf­bau­zeit benö­tigt. Schei­tert aber bereits der Auf­bau ist es natür­lich umso schwe­rer ein Ritual auf­zu­bauen.

Deine Erfah­run­gen

Muss ich dich davon über­zeu­gen, dass Rituale etwas groß­ar­ti­ges sind? Mit Sicher­heit nicht. Und ohne­hin geht das auch nicht. Du kannst nie­man­den davon über­zeu­gen, dass es eine kluge Idee ist auf­zu­ste­hen, wenn man­che Stu­den­ten gerade erst schla­fen gehen. Es muss schon so ähn­lich ablau­fen, wie bei mir. Man hört davon, auch von den Vor­tei­len, hält es zuerst für kom­plett ver­rückt, wird dann aber neu­gie­rig, erkun­digt sich, wie es abläuft und pro­biert es ein­fach mal aus. Hof­fent­lich mit Plan. Denn nur so hält man es am Ende auch durch.

Die meis­ten hören in Pod­casts oder lesen in Büchern zum ers­ten Mal davon. Die erste Anlauf­stelle sind dann häu­fig irgend­wel­che Blog­ar­ti­kel oder You­Tube Videos zu dem Thema und irgend­wann lan­den dann alle beim Buch „Der Weg des Künst­lers“ von Julia Came­ron. Das Buch rich­tet sich zwar an Künst­ler, aber der Abschnitt über das Mor­gen­ri­tual des Jour­na­lings z.B. nicht unbe­dingt. Und damit sind die meis­ten schon bei der ers­ten Tech­nik für den frü­hen Mor­gen ange­kom­men.

Doch so rich­tig einen roten Faden gibt es nicht. Weil es total dar­auf ankommt, wer du bist und was du tust und was du gerade brauchst. Bist du zum Bei­spiel selb­stän­dig oder Frei­be­ruf­ler, dann ist es deine Pflicht eine gewisse Dis­zi­plin zu schaf­fen, die es dir ermög­licht dein Arbeits­pen­sum zu schaf­fen. Das Ziel eines Mor­gen­ri­tu­als ist jedoch am Ende immer gleich: Du sollst die mor­gend­li­chen Stun­den für dich selbst nut­zen, weil du selbst ein­fach über den Tag häu­fig zu kurz kommst. Du sollst Klar­heit bekom­men, um dein Leben zu reflek­tie­ren und zu wis­sen wo du hin willst und dann dei­nen Tag bewusst in diese Bahn zu lei­ten, aus­ge­gli­chen und acht­sam zu sein und um deine Krea­ti­vi­tät zu för­dern.

Der Tages­ab­lauf eines Durch­schnitts­men­schen

Sobald wir zuhause aus­ge­zo­gen sind und für uns alleine leben wer­den wir rela­tiv schnell in ein pas­si­ves Leben gezwun­gen, wo wir vor­her sehr aktiv waren. Wir muss­ten uns nicht um die Lebens­um­stände küm­mern, son­dern konn­ten ganz „wir“ sein. So viele Frei­hei­ten, wie wir zuhause hat­ten, haben wir spä­ter nie wie­der. Und dabei den­ken wir als Kind es sei genau anders herum.

Nach­dem wir aus­zie­hen gehen wir arbei­ten, nur um das ver­diente Geld wie­der aus­zu­ge­ben. Wir müs­sen alles vor­aus­pla­nen, wann der nächste Urlaub drin ist, wel­ches Auto uns von A nach B bringt und was wir fürs Alter zur Seite legen müs­sen. Wir ste­hen mor­gens ver­pennt auf, trin­ken unse­ren Kaffe, set­zen uns ins Auto oder in die Bahn, fah­ren zur Arbeit, fah­ren Abends nach Hause, essen was, gehen auf die Couch, schauen fern und schla­fen. Jeden Tag geht das so, dazwi­schen mal ein erfri­schen­des Wochen­ende und dann geht’s wei­ter — bis der nächste Urlaub wie­der kommt. 40–45 Jahre spä­ter haben wir dann unsere kleine Rente, die uns viel­leicht knapp über der Armuts­grenze hält.

Im Grunde haben wir damit doch schon unsere Rou­tine, oder? Unsere wun­der­bare All­tags­rou­tine, zum kot­zen moti­vie­rend. Und täg­lich grüßt das Mur­mel­tier. Es ist schon erschre­ckend, wie viele Men­schen sich mit die­sem Prin­zip wohl­füh­len, pas­siv zu sein. Und umso mehr erschre­ckend, wie viele tat­säch­lich den­ken, dass es die sichere Vari­ante des Lebens ist.

Der Tages­ab­lauf erfolg­rei­cher Men­schen

Erfolg ist etwas sehr indi­vi­du­el­les und von jedem Men­schen etwas anders defi­niert. Grund­sätz­lich ver­binde ich Erfolg mit dem Errei­chen von Zie­len und beson­ders erfolg­rei­che Men­schen als sol­che, die eben beson­ders häu­fig ihre Ziele errei­chen. Wöchent­lich, täg­lich. Dann gibt es die­je­ni­gen, die nicht nur beson­ders häu­fig ihre Ziele errei­chen, son­dern auch noch dazu sehr große Ziele. Ziele, die sich manch ande­rer nicht mal traut anzu­ge­hen. Men­schen wie Elon Musk, Steve Jobs, aber auch wie Ben Fran­k­lin, der US-Prä­si­dent. All diese Men­schen ver­bin­det extre­mer Erfolg in den ver­schie­dens­ten Ebe­nen und eiserne Dis­zi­plin mit vie­len Ritua­len und Rou­ti­nen.

Elon Musk bei­spiels­weise, baute zeit­gleich zwei revo­lu­tio­näre Unter­neh­men auf – Tesla und SpaceX. Er teilte seine Woche für beide Unter­neh­men auf und pen­delte mehr­fach 600 km zwi­schen den bei­den Haupt­sit­zen in Palo Alto und Los Ange­les hin und her. Mon­tage und Don­ners­tage waren für SpaceX, Diens­tage und Mitt­wo­che für Tesla. Frei­tags wech­selte er mit­ten am Tag zwi­schen bei­den Unter­neh­men. Das funk­tio­nierte nur mit 100% genauer Zeit­tak­tung, effi­zi­en­tem Manage­ment und haar­ge­nauer Pla­nung. Und er schaffte mit bei­den Unter­neh­men das, was viele moderne Unter­neh­mer nicht mal mit einem Unter­neh­men geschafft hät­ten. Elon teilt sei­nen Tag in 5 Minu­ten-Blö­cken ein. Durch die­sen logis­ti­schen Denk­an­satz quetscht er jeden noch so klei­nen Fun­ken Pro­duk­ti­vi­tät aus einem Tag. Seine klei­nen Neben­pro­jekte sind ein neues inno­va­ti­ves Trans­port­mit­tel eines Zuges unter der Erde (Hyper­loop) und ein Unter­neh­men für Com­pu­ter-to-Brain-Inter­faces (neura­link).

Was die­ser Mann alleine schafft ist so unglaub­lich, dass es fast schon absurd erscheint.

Wis­sen­schaft­li­cher Hin­ter­grund:

Warum fällt es den meis­ten Men­schen so schwer ihre Gewohn­hei­ten zu ändern und über lange Zeit neue Ver­hal­tens­wei­sen auf­recht zu erhal­ten? Dafür müs­sen wir das mensch­li­che Gehirn im Zusam­men­spiel mit der Bio­che­mie etwas genauer betrach­ten und lei­der etwas wei­ter aus­ho­len. Jetzt wird es sehr wis­sen­schaft­lich. Aber die Reise lohnt sich. Ver­spro­chen.

Rituale

Denn Rituale auf­zu­bauen ist ein sehr kom­ple­xer Vor­gang, der viel mit Bio­che­mie zu tun hat. Im Kern müs­sen wir dafür zunächst etwas tun, was wir nicht wol­len. Und das klappt nur, wenn wir es eben doch wol­len. Klingt komisch, aber so ist es. Und genau das ist eine neu­ro­nale Meis­ter­leis­tung. Den glei­chen kom­ple­xen Vor­gang müs­sen wir im Kampf gegen Süchte und Abhän­gig­kei­ten durch­lau­fen. Denn um Süchte erfolg­reich zu bekämp­fen und blöde Gewohn­hei­ten zu ändern (und uns dafür bes­sere anzu­eig­nen) müs­sen wir pri­mär eines: Es unbe­dingt wol­len. Ein „gucken wir mal, ob es klappt“ reicht nicht, um das Gehirn zu über­lis­ten. Über­lis­ten? Warum über­lis­ten?

Unser Gehirn arbei­tet, gemein­sam mit dem Kör­per, mit einem stren­gen Beloh­nungs­sys­tem. Und, logisch – der Mensch ist stän­dig auf der Suche nach Beloh­nun­gen, denn unser Unter­be­wusst­sein fin­det das ganz toll. In dem Moment der Beloh­nung wer­den vom Kör­per wun­der­schöne Glücks­hor­mone aus­ge­schüt­tet. Die Neben­niere pro­du­ziert Dopa­min, der Hypo­tha­la­mus Endor­phine und gemein­sam mit eini­gen ande­ren Stof­fen wer­den diese von Rezep­to­ren im Gehirn mit Freude auf­ge­nom­men. Je mehr davon, desto glück­li­cher wer­den wir. Dem gegen­über steht das Cor­ti­sol, wel­ches auch in der Neben­niere pro­du­ziert wird, aber unser Stress­hor­mon ist. Es hat ziem­lich starke kör­per­li­che Aus­wir­kun­gen, wenn es frei­ge­setzt wird. Allem voran aber schwächt es unser Immun­sys­tem.

Jäger & Samm­ler

Dr. Bruce Lip­ton, ein Bio­loge und Pro­fes­sor an der Stan­ford Uni­ver­sity erklärt auch genau warum. Der Mensch war 99% der Zeit, die er auf die­sem Pla­ne­ten ver­bracht hat, Jäger und Samm­ler. Unsere DNA hat sich dar­auf ein­ge­stellt im Falle von Gefahr zu kämp­fen oder zu flie­hen. Für diese Funk­tio­nen müs­sen wir sehr schnell sehr klar han­deln und dabei Höchst­leis­tung voll­brin­gen. Die Stress­hor­mone sorg­ten dafür, dass alle kör­per­lich nicht wich­ti­gen Auf­ga­ben gestoppt wer­den und die für Flucht und Kampf wich­ti­gen Funk­tio­nen akti­viert und ver­stärkt wer­den. Und tat­säch­lich wird der Mensch unter Adre­na­lin stär­ker und leis­tungs­fä­hi­ger, weil der Kör­per mit Cor­ti­sol und Adre­na­lin leis­tungs­stei­gernde Zusatz­funk­tio­nen frei­schal­tet. Unwich­tige Funk­tio­nen, z.B. Hun­ger­ge­fühle oder — ja — auch das Immun­sys­tem oder Wachs­tums­pro­zesse, wer­den für die Dauer des Stres­ses aus­ge­schal­tet.

Stress

Für die Dauer des Stres­ses. Ein wich­tigs­tes Stich­wort. Diese Funk­tion ist dar­auf aus­ge­legt, dass wir kurze Etap­pen von Stress meis­tern müs­sen — 3 Minu­ten, 5 Minu­ten, 10 Minu­ten. Nicht 10 Tage oder 5 Wochen oder 3 Monate. Denn was pas­siert wohl über die Zeit einer lan­gen Stress­phase? All die „unwich­ti­gen“ Funk­tio­nen wer­den gehemmt. Darum wer­den wir krank, haben weni­ger Hun­ger und neh­men dadurch ab und wir wach­sen lang­sa­mer. Auch Erwach­sene. Und damit ist nicht mal kör­per­li­ches Wachs­tum gemeint, son­dern auch men­ta­les Wach­sen, ler­nen und Wei­ter­ent­wick­lung im All­ge­mei­nen.

Gro­ßer Stress inner­halb der Schwan­ger­schaft kann zu Beein­träch­ti­gun­gen und Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen beim Kind her­vor­ru­fen. Der Stress über­trägt sich nach­weis­lich auf das unge­bo­rene Kind. Der erhöhte Cor­tisol­spie­gel kann vom Kind nicht in dem Maße ver­ar­bei­tet wer­den, wie es Erwach­sene kön­nen.

Beloh­nungs­sys­tem

Um unser Gehirn dazu zu brin­gen Auf­ga­ben aus­zu­füh­ren, auf die es abso­lut keine Lust hat, müs­sen wir es (und damit uns) ziem­lich stark über­lis­ten. Denn der Mensch hat eine natür­li­che Abnei­gung gegen Stress. Das Gehirn möchte ja Beloh­nung und kei­nen Stress. Im Falle unsport­li­cher Men­schen, wie ich es bin, führt bereits der Gedanke an Sport zu unan­ge­neh­men Gefüh­len. Aus Sport wird in der Folge eine klare Stress­si­tua­tio­nen und das führt wie­derum eher weni­ger zur Aus­schüt­tung von Glücks­hor­mo­nen. Der Kör­per fin­det das gar nicht gut und sen­det unse­rem Gehirn klare Signale, dass wir das bitte sein las­sen sol­len. Und was machen wir? Wir spü­ren diese Impulse unter­be­wusst und uns kom­men sofort andere Gedan­ken, was wir statt­des­sen schö­ne­res machen könn­ten. Wir sehen unsere Couch, unsere Decke und Scho­ko­lade. Und alleine die­ser Gedanke führt zu einer neu­ro­na­len Explo­sion und sofor­ti­ger Frei­set­zung von Endor­phi­nen. Alles in uns schreit: Jaaaaa, ich will das jetzt! Dann ent­schei­den wir uns letzt­lich für die Couch und unser Gehirn belohnt uns dafür sogar noch, schickt wei­tere Glücks­hor­mone los, die uns dann auch noch bestä­ti­gen, dass wir das Rich­tige getan haben, obwohl wir wis­sen, dass es nicht so ist. Das Gehirn hat UNS aus­ge­trickst.

Boten­stoffe

Und das Gehirn wird wie­derum von unse­rem Kör­per mani­pu­liert, der die jewei­li­gen Boten­stoffe aus­sen­det, die das Gehirn nega­tiv bewer­tet und dadurch die ent­spre­chende Hor­mon­aus­schüt­tung frei­gibt. Aus die­sem Grunde ist der Anfang immer das schwie­rigste. Erschwe­rend kommt hinzu, dass die Umpro­gram­mie­rung nicht mit einem Mal getan ist, denn bei­spiels­weise Sport macht beim ers­ten Mal, nach lan­ger Tro­cken­phase, eher sel­ten Spaß. Erst mit der Zeit spürt der Kör­per die Vor­teile des Trai­nings und „gewöhnt“ sich an die neue Situa­tion. Bei vie­len Sport­lern ist die Situa­tion dann sogar genau umge­dreht. Bei ihnen wer­den beim Gedan­ken an Sport wahre Glücks­hor­mone aus­ge­schüt­tet. Erst im Sport fin­den sie ihr Glück und kön­nen anschlie­ßend die Ent­span­nungs­phase auf der Couch rich­tig genie­ßen.

Wenn du also etwas ändern willst und bes­sere Rou­ti­nen in dein Leben inte­grie­ren möch­test, dann musst du die Phase über­win­den, in der dein Gehirn die Rou­tine als Stress inter­pre­tiert und durch­hal­ten. Erst wenn du Glück bei der Auf­gabe ver­spürst, hast du es geschafft und dein Gehirn erfolg­reich umpro­gram­miert.

Doch lei­der ist das nicht alles.

Gene

Denn unser Gehirn ist das eine, unsere Gene aber das andere. Mitt­ler­weile haben For­scher welt­weit, unter ande­rem das Max-Planck-Insti­tut, her­aus­ge­fun­den, dass unsere Gene auf unsere Ver­hal­tens­wei­sen pro­gram­miert wer­den. Unser Gehirn umzu­pro­gram­mie­ren reicht also nicht. Die Ände­rung muss so tief­grei­fend sein, dass die Struk­tur und Rezep­to­ren unse­rer Gene sich aus ver­än­dern. Dr. Lip­ton hat z.B. in Berei­chen der Zell­struk­tur geforscht und her­aus­ge­fun­den, dass sich Zel­len im Falle von Stress zurück­zie­hen, um keine Impulse durch­zu­las­sen. Im Falle von Glück wei­ten sie sich und lau­fen ihrem „Glück“ quasi ent­ge­gen. Deine neue Rou­tine muss einen sol­chen Effekt aus­lö­sen, damit sie irgend­wann, nach lan­ger Zeit, haf­tet.

Sorry für die­sen Exkurs, aber ich denke ohne die­ses Wis­sen kön­nen wir nicht ernst­haft über Rou­ti­nen spre­chen. Es ist nicht so, dass wir einen Schal­ter umle­gen und ein neuer Mensch sind. Dafür sind wir viel zu stark auf die alte Ver­hal­tens­weise pro­gram­miert.

Dein Weg

Ich denke, dass Men­schen wie Elon Musk einen ganz beson­de­ren inne­ren Trei­ber haben, der sich über Jahre fest in ihren Genen ver­an­kert haben. Das gibt ihnen die Kraft, diese Stra­pa­zen über Jahre durch­zu­ste­hen ohne dabei einen Bur­nout zu bekom­men. Denn wol­len wir mal ehr­lich sein — 99% der Men­schen wür­den die­sen Life­style nicht mal eine Woche durch­hal­ten.

Intrinsi­sche Moti­va­tion

Ohne das Beloh­nungs­sys­tem zu inte­grie­ren wird es sehr schwer neue Struk­tu­ren zu schaf­fen. Wenn es über­haupt mög­lich ist. Erfolg­rei­che Men­schen schaf­fen es in ihrem Tages­ab­lauf duzende Beloh­nun­gen ein­zu­bauen. Für Elon Musk ist es das höchste Gut zu wis­sen, dass seine Elek­tro­au­tos auf den Stra­ßen fah­ren und er damit die Welt zu einem bes­se­ren Ort macht. Und dass seine Rake­ten ins All flie­gen um den Hori­zont der Mensch­heit zu erwei­tern und die Besied­lung des Mars zu för­dern. In sei­nem eige­nen gebau­ten Auto zu sit­zen oder seine eigene Rakete star­ten zu sehen müs­sen ziem­lich starke Glücks­ge­fühle sein. Der Fach­be­griff dafür ist intrinsi­sche Moti­va­tion

Der Grund, warum der Bul­let Proof Cof­fee, mein Müsli und die kalte Dusche von mei­nen eins­ti­gen Ritua­len übrig geblie­ben sind ist, dass ich dadurch spür­bar gesün­der gewor­den bin. Seit Ein­füh­rung mei­ner Rituale und Umstel­lung mei­ner Ernäh­rung auf 75% vegan, war ich nicht mehr krank. Und das ist nun ca. 2 Jahre so. Nicht nur mein Gehirn fin­det das toll, auch meine Gene. Davon bin ich über­zeugt.

Das Schöne und das Läs­tige

Musst du so einen Weg ein­schla­gen? Auf kei­nen Fall! Möch­test du Ver­hal­tens­wei­sen ändern? Wenn ja, dann gehe es an. Denn je frü­her du star­test, desto schnel­ler schaffst du es, dass irgend­wann deine Gene akzep­tie­ren, dass du etwas ändern willst. Ver­su­che es dabei pri­mär dei­nem Gehirn so kom­for­ta­bel wie mög­lich zu machen, die neue Ver­hal­tens­weise zu akzep­tie­ren. Über­liste es. Du schaust gerne Serien? Schau doch ab heute nur noch Serien, wenn du dabei zuhause Sport machst. Ver­binde das Schöne mit dem Läs­ti­gen und schaffe dir Rah­men­be­din­gun­gen, durch die du am meis­ten belohnt wirst.

Ich hoffe ich konnte dir mit die­sem Arti­kel ein wenig die die Augen öff­nen, was wirk­lich hin­ter Rou­ti­nen steckt.

Im Fol­gen­den fin­dest du noch ein You­tube-Video zum Thema Rou­ti­nen, in dem ich ein wenig dar­auf ein­ge­hen, wie du diese kon­kret ent­wi­ckeln kannst. Viel Spaß dabei!

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* MA-Arbeit M.Schnedl, MSc Heb­amme; M‑Schnedl ‚C.Rungg, Mag.Dr. S. Perk­ho­fer: Aus­wir­kun­gen von Stress auf Mut­ter und Kind; Die Heb­amme 2014;27:258–262. Die Ori­gi­nal­ar­beit liegt der Autorin vor.

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