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Die Anatomie einer Selbständigkeit

Die Anatomie einer Selbständigkeit

Ich weiß natürlich nicht an welcher Stelle deiner Selbständigkeit du stehst. Beginnst du gerade dabei aus deinem Hobby einen Beruf zu machen? Oder bist du bereits im ersten oder zweiten Anfangsjahr? Oder bist du vielleicht schon seit vielen Jahren selbständig?

Jede Gruppe hat für sich individuelle Herausforderungen. Manche überschneiden sich, aber manche sind auch der jeweiligen Phase entsprechend größer in der Gewichtung als andere. Was nicht heißt, dass das immer so ist. Herausforderungen, die am Anfang einer Selbständigkeit bestehen, können trotzdem jederzeit zurückkehren. Z.B. steht für Viele Anfangs natürlich im Fokus mehr Kunden zu gewinnen. Das ist im 3. oder 4. Jahr des laufenden Businesses dann nicht mehr der Fokus, weil es einfach läuft. Dennoch können sich ändernde Marktsituationen dazu führen, dass das Problem wiederkehrt. Es ist also nicht in Stein gemeißelt welche Herausforderungen zu welchem Zeitpunkt auf uns zukommen. 

Verständnis von Selbständigkeit

Nun. Als erstes ist es wichtig, dass du verstehst, was es eigentlich bedeutet selbständig zu sein. Auch wenn du nebenberuflich selbständig bist bist - in der Sekunde in der du die Dienstleistung gegen Geld ausführst bist du ein Unternehmen. Und zwar im Kern erst mal genauso ein Unternehmen, wie es Apple ist. Apple erschafft etwas und tauscht es gegen Geld. Das machst du auch. Also bist du genauso. Und du bist auch genauso ein Unternehmen wie Nokia. 

Und in der Sekunde hast du ALLE Möglichkeiten, die die beiden Unternehmen auch haben und hatten. Apple ist heute das wertvollste Unternehmen der Erde. Eins, das wirklich tolle Sachen erschafft, die alle Menschen haben wollen. Nokia war das auch mal. Und was ist Nokia heute? Nichts mehr. Nachdem es die Augen lange genug vor neuen Technologien verschlossen hat, zerstörte es sich damit selbst. Niemand sonst war daran Schuld. Nicht die Käufer, die keine Nokias mehr wollten, kein Apple, die ein tolles neues iPhone auf den Markt brachten. Nur Nokia selbst war Schuld. 

Verantwortung

Und die Verantwortung für den Erfolg deines Unternehmens trägt auch niemand anderer als du. Du entscheidest. Du hast die Fäden in der Hand. Wenn du denkst, dass du so toll bist und es ein Privileg ist, mit dir arbeiten zu dürfen, aber kaum einer kommt, hat das nichts mit deinen Kunden zu tun, sondern vielleicht mit deiner falschen Einstellung - so wie damals Nokia falsche Einstellungen hatte. Wenn du aber liebst was du tust und du alles für deine Kunden tust um ihnen ein wundervolles Erlebnis zu schenken, wenn du ihnen jeden Wunsch von den Lippen abliest und sie von deiner Leidenschaft überzeugst… Dann hast du wohl die richtige Einstellung. So wie Apple die richtigen Einstellungen hat. 

Ich persönlich habe ein Model für mich entwickelt, das sich prima bewährt hat, wenn es darum geht ein Unternehmen oder Business zu bewerten. Ich unterteile ein Business in 3 Ebenen. Die Äußere, Innere und die Kernebene. 

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Die Äußere Ebene

Sie ist alles, was von außen auf dein Unternehmen einwirkt und auf das du so gut wie kaum Einflussmöglichkeiten hast. 

Die Innere Ebene

Sie ist alles, was von Innen aus deinem Unternehmen heraus wirkt und auf das du zu 100% Einfluss hast. 

Die Kernebene

Sie ist etwas, was ich in der Literatur bisher nur ganz selten gelesen habe, die aber für mich die riesige Bedeutung hat. Die Kernebene bist du , also der Kopf und die Seele des Unternehmens. Wird diese Ebene nicht berücksichtigt wird immer etwas fehlen.

1. Die Äußere Ebene

Diese Ebene beschäftigt sich mit den Dingen, die von außen auf dein Unternehmen einwirken. Das sind Themen wie staatliche Regulierungen und Gesetze (z.B. DSGVO), aber auch Umwelteinflüsse, wie z.B. schlechtes Wetter. Oder das technische Equipment, das du nutzen kannst. Aber - und das ist wohl der wichtigste Aspekt. Auch deine Kunden sind in dieser Ebene zu finden. Nichts auf dieser Ebene kannst du beeinflussen oder ändern. Du kannst den Staat und seine Gesetze nicht ändern, du kannst das Wetter nicht ändern und du kannst die Menschen nicht ändern. Das ist sehr wichtig zu verstehen.

Dass wir die äußere Ebene nicht ändern können ist für viele Selbständige ein Problem und auch zugleich eine gern genutzte Ausrede. Im Sinne von: Das wird nicht funktionieren, die DSGVO verbietet das. Oder: Das geht nicht, weil es regnet. Dies und das kann ich nicht machen, weil die Kamera, die ich dafür brauche zu viel kostet. Oder auch: Kann ich so nicht machen, weil meine Kunden was anderes wollen.

Dass wir die Ebene nicht ändern oder beeinflussen können heißt nicht, dass wir vor ihr kapitulieren sollten. Wir müssen nur lernen damit zu leben und mit der Kraft der Inneren und der Kernebene diese Einschränkungen auszuhebeln.

Wenn die DSGVO es verbietet, dann muss es anders gehen oder die Verantwortung an den Kunden übertragen werden. Wenn es regnet muss eine Alternative gefunden werden oder der Termin verschoben werden. Wenn du etwas nicht machen kannst, weil deine Kunden was anderes wollen brauchst du eine andere Zielgruppe. Menschen lassen sich nicht ändern, aber wir sind nicht alle gleich. Es gibt immer Menschen, die das gleiche wollen wie du. Du musst sie nur finden.

2. Die Innere Ebene

Diese Ebene ist die Ebene, die zum Teil von dir geschaffen und zum Teil gegeben ist. Du hast auf alles einen Einfluss und kannst die Dinge ändern. Diese Ebene ist also dazu da, um den Einschränkungen entgegenzuwirken, die von Außen auf das Unternehmen einwirken. Und wer pfiffig ist, dem gelingt das eigentlich immer. Die besten Unternehmer sind diejenigen, die am schnellsten Probleme lösen um sich dann wieder weiter um das Wachstum zu kümmern. 

In dieser Ebene steckt dein Branding. Wie siehst du aus, wie ist dein Stil, wie sind deine Leistungen? Auch deine Akquise und dein Marketing ist hier zu finden. Welche Zielgruppe möchtest du erreichen? Das entscheidest du hier. Wie und wo positionierst du dich als Selbständiger? Welche Preise rufst du für welche Leistungen auf? Viele machen hier den Fehler und zählen diese Faktoren zu denen der Äußere Ebene, die man nicht beeinflussen könne. Die Kunden würden den Preis bestimmen. Wenn ich teuerer würde, zahlten sie nicht mehr und blieben weg. Das ist eine falsche Denkweise. Du definierst diese Dinge und adressierst anschließend eine Zielgruppe, die dann in der äußeren Ebene angesprochen wird. Sprichst du von Innen falsch nach Außen erreichst du die falschen oder niemanden. Und ruft dir jemand von Außen wütend zu, dass du zu teuer bist, dann kannst du nicht ändern, dass er es billiger haben möchte. Aber du kannst entscheiden, dass du ihm nicht mehr zuhörst.

In dieser Ebene findet sich die gesamte sogenannte Customer-Journey. Die Reise deines Kunden mit deinem Unternehmen. Alles, was der Kunde mit dir durchlebt, durchlebt er, weil du ihn von Außen nach Innen in deine Innere Ebene holst und ihn dort bedienst. 

Soweit verstanden? Super. An dieser Stelle könnten wir nun eigentlich aufhören. Die meisten Unternehmen tun das auch. Scheinbar reicht das ja auch erst mal für ein funktionierendes Unternehmen aus, oder?

3. Die Kernebene

Viele Unternehmen vergessen und unterschätzen in den meisten Fällen die Kernebene. 

Die Kernebene ist der wahre Grund dafür, dass Apple, Google und Amazon die größten und wertvollsten Unternehmen der Welt sind. In der Kernebene geht es um das Warum. Den Treiber, die Gründe, um den Antrieb, die Motivation und der Wille etwas zu schaffen. Nur weil du existierst und dich selbständig gemacht hast, heißt das noch lange nicht, dass du erfolgreich wirst. Die Menschen warten nicht auf den nächsten Texter, Designer oder Fotografen, nur weil wir meinen es sei sinnvoll einer zu werden. Sie wollen den Dienstleister der zu ihnen passt. 

Warum ist Nokia damals groß geworden und warum sind sie am Ende untergegangen? Naja, sie sind nicht wirklich untergegangen, aber nach dem Hochjahr 2007 ging es stetig bergab. 2013 machte Nokia nur noch 1/4 des Umsatzes, den es 2008 gemacht hat. Für ein Unternehmen der Größenordnung war das der Untergang. 

Nokia war Ende der 80er Jahre noch ein agiles Unternehmen. Der Einstieg in den Mobilfunkmarkt kam aus Deutschland. Vor 1994 waren mit diesem Unternehmenssegment erst 200 Mitarbeiter beschäftigt. Danach stieg die Zahl rasant an. 2008 waren es über 2000 Mitarbeiter. Eine solche Maschine mit 2000 Menschen bewegt sich nicht mehr so leicht in neue Richtungen. Das ist vergleichbar mit Schiffen. Ein kleines 5 Mann Boot kann in Sekunden die Richtung ändern. Eine Aida mit  bis zu 5.000 Menschen an Bord braucht dafür einige Minuten. Als Steve Jobs 2007 das erste iPhone veröffentlichte, lachte die Welt ihn aus. Auch Nokia. Aber sie lachten nicht lange. Denn der tiefe Fall ging sehr schnell. Nokia schaffte es im Kern nicht seine Innere Ebene gegen die Äußeren Einflüsse zu schützen und sich neu auszurichten. 

Apple hingegen schaffte als flinkes Unternehmen mit einem starken Kern seine gesamte Innere Ebene auf den Markt auszurichten. Und was kaum bis selten möglich ist - sie schafften damit sogar die Äußere Ebene zu verändern. Denn schaut euch mal um, wie wir heute ein Mobiltelefon verwenden. Es hat Einfluss auf unser gesamtes Leben. Das haben sie aber nur von ganz Innen nach ganz außen schaffen können, weil sie eben nicht versucht haben die Äußere Ebene ändern zu wollen. Der Antrieb kam vom Kern. Vom Kern nach Außen. Anders geht es nicht. 

Fazit:

Ein starker Kern kann die Welt verändern. Und genau darum hängt alles von dir ab. Alles was du als Selbständiger auf der Inneren Ebene platzierst und ausrichtest muss mit deinem Kern übereinstimmen und von ihm initiiert sein. Passt das nicht, ist diese Ebene nicht vollständig, schwächt und funktioniert vielleicht gar nicht. 

Darum versuche nicht die Äußere Ebene zu verändern. Das funktioniert nicht. Arbeite an deinem Kern. Und das ist primär ein gesunder Geist und gute Glaubenssätze. Also dein Mindset.

Das ist die Anatomie einer Selbständigkeit, so wie ich sie verstehe und lebe. Das Model der 3 Ebenen. Außen, Innen, Kern. 

Denke auch Du immer an diese 3 Ebenen. Auch wenn du dich vielleicht etwas seltsam dabei fühlst, dich mit Apple zu vergleichen, ihr habt doch viel gemeinsam.

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