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Fotografie - Leidenschaft oder Job?

Fotografie - Leidenschaft oder Job?

In dem Moment in dem wir uns selbständig machen, ist es passiert. Spätestens dann wird es ernst und wir müssen uns mit Dingen beschäftigen, die uns vielleicht auf dem ersten Blick nicht besonders viel Freude bereiten.

Warum nicht so weitermachen wie bisher? Geht das nicht? NEIN! Denn das ist der große Moment, in dem sich alles ändert. Nicht über Nacht, aber doch recht früh. Eigentlich schon mit den Vorbereitungen aber in jedem Fall mit dem laufenden Geschäft. Aus dem Hobby wird ein richtiger Beruf. Mit allen Ecken und Kanten.

Der Ernstfall: Planung, Organisation, Vorausschauen

Du musst anfangen über bestimmte Dinge nachzudenken. Dich zu organisieren, zu planen und vorauszuschauen. Das musstest du vorher nicht. Du musst auch über deine Preise nachdenken. Vorher war es dein Addon, jetzt musst du davon leben. Was bleibt also von dem übrig, was du einnimmst und an wen musst du etwas abgeben? Kurzum: Es wird ernst. 

Viele stellen sich den Schritt in die Selbständigkeit sehr schön und blumig vor. Die Tatsache ist jedoch, dass du die organisatorisch Dinge mit übernehmen musst, die vorher dein Arbeitgeber für dich getan hat. Er hat dafür gesorgt, dass dein Anteil vom Gehalt an die entsprechenden Organisationen weitergegeben wurde. Vieles wird auch komplizierter, als im Angestelltenverhältnis. Wo vorher dein Chef das mit deiner Krankenversicherung geregelt hat musst du das jetzt selbst tun. Und das war vorher echt kein Hexenwerk, denn dein Einkommen war ja immer gleich. Nun möchte die Krankenkasse aber von dir eine Schätzung, was du glaubst einzunehmen und wird anhand dieser Schätzung deinen Beitrag berechnen, den du dann komplett übernehmen musst, wenn du nicht der Künstlersozialkasse beitrittst. 

Das sind nur ein paar erste Beispiele dessen, was vorher kaum jemand auf dem Schirm hat. Das sind zum Teil auch finanzielle Belastungspunkte, die dann den start erschweren. Und da hilft dir der Staat nicht wirklich bei. In Deutschland werden uns Gründern nämlich sehr viele Steine in den Weg gelegt. 

Wichtig: Start smart

Die finanzielle Belastung kannst und solltest du ein wenig damit kompensieren, dass du im ersten Jahr noch keine Steuerabgaben zahlst, wenn du als Kleinunternehmer startest. Und das ist die klügste Idee. Denn dann bleibt von dem, was du einnimmst, ALLES bei dir. Der Nachteil: Im zweiten Jahr gehören dir nur noch 81%, wenn du aus der Kleinunternehmerregelung rutschst. Da du dann die 19% Mehrwertsteuer abgeben musst.

Wenn du also dein Hobby zum Beruf machen willst, dann musst du es so sehr lieben, dass dir all diese Steine, die dir in den Weg gelegt werden, nichts ausmachen. Eigentlich bist du in der Sekunde, in der du dein Fotografie-Hobby zum Beruf machst, kein Fotograf mehr, sondern ein Unternehmer mit einem Fotografie-Business. Das ist sehr wichtig zu differenzieren und setzt ein völlig anderes Denken voraus. 

Hab ich dir jetzt Angst gemacht? Das wollte ich nicht. Aber ich wollte Euch, die diesen Schritt planen ein wenig dafür sensibilisieren, dass ihr Euer Hobby nicht mehr so ausüben werdet wie bisher. Und das ist nicht etwas, woran wir bei diesem Schritt unbedingt denken. Mir hat das damals auch keiner gesagt. Ich habe allerdings auch keine falschen Erwartungen gehabt, weil ich mich 2006 schon einmal selbständig gemacht habe und es damals alles unterschätzt habe. Ich wusste, dass es hart wird und komme daher nun über die Runden. Aber jedes Jahr tauchen eben auch neue Challenges auf. Denn wenn du jetzt denkst, dass wenn du einmal alles eingerichtet hast, es dann ohne Probleme von alleine weiterläuft… Nix da. Wenn du wächst, und das sollte jedes Unternehmen, dann kommen neue Herausforderungen. Plötzlich hast du unbemerkt einen Freibetrag überschritten und musst wieder 4.000 EUR an irgendjemanden zahlen, den du vorher nicht auf dem Schirm hattest. Steuerrückzahlungen gehören eh der Vergangenheit an. Das, was du vorher zurückbekommen hast, darfst du ab jetzt on top zahlen. Verdiene ich heute mehr, als damals als Angestellter? Ich bin da ganz ehrlich - erst jetzt, im 6. Jahr habe ich netto das übrig, was ich vorher übrig hatte, denn ich habe gut verdient und musste nun lange bluten. 

Ich werde aber jetzt aufhören, denn ich glaube du hast die Message verstanden. Der Schritt in die Selbständigkeit ist kein Schritt, der beruflichen Freiheit. Du denkst, dass du mehr selbst entscheidest, wie es läuft, aber eigentlich wechselst du nur deine Abhängigkeit. Ab jetzt gibt es andere, die du zufriedenstimmen musst und es ist, wenn du keinen Mentor an deiner Seite hast, sehr schwer das alles vorauszusehen. 

Sorgfältige Planung

Darum ist Planung das A und O. Ich habe mir vor den Schritt in die Selbständigkeit 3 Monate Auszeit genommen. In dieser Zeit habe ich alles geplant, was irgendwie planbar war. Was passiert wann, wer will was zu welchem Zeitpunkt unter welchen Voraussetzungen von mir? Was muss ich ständig monatlich, wöchentlich oder sogar täglich beobachten? 

Diese 3 Monate waren Gold wert, aber sie haben mich trotzdem nicht vor all dem geschützt, was ich im Laufe der Jahre falsch gemacht habe. Du kannst dich noch so gut vorbereiten - es passiert immer irgendwas. 

Aber Daniel, bei all diesen negativen Punkten - warum sollte sich überhaupt jemand selbständig machen? Das ist doch Wahnsinn!!! 

Die Vorteile mögen für jeden etwas anderes sein, aber für mich gibt es einen riesigen Vorteil, der für mich an oberster Stelle steht. 

Wenn ich arbeite, dann arbeite ich für mich und für niemand anderen. Wenn ich Überstunden mache, dann hat das Vorteile nur für mich. Wenn scheiße passiert, dann weiß ich, dass ICH was verbockt habe und nicht den Mist von anderen wegfegen muss, die was versemmelt haben. Wenn ich mehr Geld verdienen möchte, muss ich nicht betteln sondern einfach nur mehr und anders arbeiten. Dann kommt es direkt in meine eigene Tasche. 

Wenn ich Urlaub brauche muss ich nicht betteln, wenn ich krank muss ich nicht um Krankenscheine für meinen Chef betteln. Ich muss mich nicht der Laune anderer aussetzen, sondern kann mich auf mich selbst verlassen. Während ich euch das hier erzähle leuchten meine Augen. 

Alles was ich tue, tue ich für meine Familie und für mich. Und das ist der größte Gewinn und überwiegt jede Herausforderung. 

Zweifel?

Überzeugt dich nicht? Dann also doch Fotografie als Hobby? Klar! Wenn du im Gefühl hast, dass du lieber kein Unternehmer sein möchtest und das alles für dich zu kompliziert klingt, dann ist das eine Option. Gerade wenn du zufrieden mit dir und deinem beruflichen Leben bist, dann spricht überhaupt nichts dagegen. Du kannst dich voll auf das konzentrieren was du liebst und kannst sogar total unkompliziert nebenbei etwas mit Fotojobs verdienen. Da nimmt dir niemand etwas weg (außer halt ein bisschen mehr Einkommensteuer). 

Aber wenn du, wie ich, einfach satt bist 1/3 deiner Lebenszeit für andere zu schuften, dann gibt es für dich nur eine einzige Antwort. Und die wird in dir mit der Zeit immer lauter.


Podcastfolge zum Thema:


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