Neben­be­ruf­lich selbst­stän­dig — Wie­viel darf ich eigent­lich ver­die­nen?

Viele Selb­stän­dige star­ten ihren Weg in die “Frei­heit” neben­be­ruf­lich aus ihrem Haupt­job her­aus. Ihnen geht es weni­ger darum viel zu ver­die­nen, son­dern einer Lei­den­schaft nach­zu­ge­hen und dafür — dem Auf­wand ent­spre­chend — belohnt zu wer­den. Schnel­ler als sie sich umschauen kön­nen sind sie plötz­lich neben­be­ruf­lich selbst­stän­dig — Wie­viel darf ich eigent­lich ver­die­nen? ist dann häu­fig die nächste Frage.

Die kurze Ant­wort ist ein­fach: so viel du möch­test. Die lange Ant­wort ist: Aber da gibt es noch Eini­ges zu beach­ten. 

Zunächst ein­mal ist zu klä­ren, in wel­cher Form du selbst­stän­dig wer­den möch­test. 

Willst du Frei­be­ruf­ler wer­den, dann bist du kein Gewer­be­trei­ben­der und musst auch keine Gewer­be­steuer bezah­len. Frei­be­ruf­ler sind die soge­nann­ten Kata­log­be­rufe wie zum Bei­spiel Ärzte, Anwälte, Steu­er­be­ra­ter aber auch unter­rich­tende Berufe. Auch als Coach ist es mög­lich Frei­be­ruf­lich zu arbei­ten, wenn bestimmte Kri­te­rien erfüllt wer­den. Wel­che das genau sind, kannst du hier nach­se­hen.  

Frei­be­ruf­ler

Als Frei­be­ruf­ler zahlst du auch keine Umsatz­steuer, egal wie viel du ver­dienst. Ledig­lich die Ein­kom­men­steuer musst du ent­rich­ten. Hier­für musst du vor der Auf­nahme dei­ner Tätig­keit eine Anmel­dung beim Finanz­amt vor­neh­men. Letz­te­res musst du bei jeg­li­cher Form von Selbst­stän­dig­keit, doch die Frei­be­ruf­lich­keit muss dir vom Finanz­amt bestä­tigt wer­den. Wie die Anmel­dung zum Frei­be­ruf­ler abläuft kannst du hier nach­le­sen.

Gewer­be­be­trieb

Wenn das, was du machen möch­test, nicht als frei­be­ruf­li­che Tätig­keit gilt, musst du neben der Anmel­dung dei­ner Selb­stän­dig­keit beim Finanz­amt auch eine Gewer­be­an­mel­dung vor­neh­men — in vie­len Städ­ten ist dies heute auch online mög­lich. Hierzu musst du dich bei dei­nem ört­li­chen Gewer­be­amt mel­den und ange­ben, dass du dich selbst­stän­dig machst. Da du dies als neben­be­ruf­li­che Tätig­keit aus­üben möch­test, mel­dest du in die­sem Fall ein Neben­ge­werbe an. 

Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung

Prüfe als ers­tes unbe­dingt ob du von der Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung nach Para­graph 19 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes pro­fi­tie­ren kannst. In einem geson­der­ten Arti­kel wer­den wir noch detail­liert zur Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung ein­ge­hen. So musst du keine Umsatz­steuer auf dei­nen Rech­nun­gen aus­wei­sen und auch keine ans Finanz­amt abfüh­ren. Aller­dings bist du dann auch nicht vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tigt. Das heißt, du kannst Steu­ern die du für dei­nen Tätig­keit zahlst, nicht abset­zen. Wenn du also davon aus­ge­hen kannst, dass du aktu­ell jähr­lich nicht mehr als 14.705,88 Euro netto (Stand August 2019) erwirt­schaf­ten wirst, soll­test du von der Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung Gebrauch machen. Die Gewer­be­steuer fällt in der Regel auch nicht an, da dein Gewinn in die­sem Fall nicht höher als 24.500 Euro sein kann. Damit bleibst du unter dem Frei­be­trag. 

Lei­der bleibst du aber nicht kom­plett steu­er­frei, denn du musst auf dei­nen Gewinn Ein­kom­men­steuer zah­len. Natür­lich nur, wenn am Ende des Jah­res ein Gewinn übrig bleibt. Die Ein­kom­men­steuer zahlst du in der Regel ein­mal im Jahr auf Basis einer Ein­nah­men­über­schuss­rech­nung, die du als Klein­un­ter­neh­mer beim Finanz­amt abge­ben musst. Hier wer­den die Ein­nah­men und Aus­ga­ben gegen­über­ge­stellt und der blei­bende Betrag (Gewinn) ver­steu­ert. Wenn wir den maxi­ma­len Gewinn, den wir als Klein­un­ter­neh­mer ver­die­nen dür­fen, zu Grunde legen, wären das inklu­sive des Soli­da­ri­täts­zu­schlags für einen Allein­ste­hen­den 1.094,40 Euro.

Beachte aller­dings, dass dein Ein­kom­men als Gan­zes berech­net wird. Dein Ein­kom­men aus dei­ner haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit und die dei­nes Neben­ge­wer­bes wer­den zusam­men­ge­rech­net und besteu­ert. Je nach Höhe ändert sich dann auch dein Steu­er­satz. Deine vor­aus­sicht­li­che Ein­kom­mens­steu­er­last kannst du auf dem Steu­er­rech­ner des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Finan­zen auf den Cent genau berech­nen, wenn du die Ein­nah­men und Aus­ga­ben abschät­zen kannst. In der Regel ist dies aber nicht der Fall. Ich emp­fehle an die­ser Stelle immer die frühe Zusam­men­ar­beit mit einem Steu­er­be­ra­ter, der (auch) auf Exis­tenz­grün­dung spe­zia­li­siert ist.

Nor­ma­ler Gewer­be­be­trieb 

Ähn­lich ver­hält es sich mit einer nor­ma­len Selb­stän­dig­keit, ohne Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung. Die Ein­kom­men­steuer wird aus dei­nem gesam­ten Ein­kom­men ermit­telt. Zusätz­lich musst du die Gewerbe- und Umsatz­steuer abfüh­ren.  Die Höhe der Gewer­be­steuer rich­tet sich nach der Höhe des Gewinns. Sie vari­iert je nach Bun­des­land und sogar nach Städ­ten da jede Staadt einen eige­nen Hebel­satz hat. Die Basis sind 3,5%, wel­che auf den Hebel­steu­er­satz addiert wird. Die aktu­el­len Sätze der Gemein­den kannst du hier ein­se­hen.  

Sofern Du nicht von der Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung Gebrauch machen kannst, musst du auf dei­nen Rech­nun­gen die Mehr­wert­steuer aus­wei­sen. Diese musst Du dann, je nach Buch­hal­tungs­form, monat­lich oder vier­tel­jähr­lich an das Finanz­amt abfüh­ren. Dies fällt beson­ders bei Pri­vat­kun­den ins Gewicht, die die Mehr­wert­steuer nicht vom Finanz­amt zurück­er­hal­ten. Denn diese sind häu­fig nicht bereit einen 19% höhe­ren Preis zu zah­len. Die­ser fällt also zu dei­nen Las­ten.

Wenn die Emp­fän­ger dei­ner Rech­nun­gen aller­dings selbst Fir­men sind, spielt die Umsatz­steuer keine Rolle. Nicht mal in Ver­hand­lun­gen. Der genannte Preis ist immer der Net­tro­preis zzgl. Mehr­wert­steu­ern. Genauso wie Du rech­nen näm­lich alle Fir­men die ein­ge­hen­den und aus­ge­hen­den Umsatz­steu­ern gegen und über­wei­sen bei Steu­er­ein­nah­men­über­schuss den Rest ans Finanz­amt, oder erhal­ten eine Gut­schrift, wenn Sie eben mehr Steu­ern aus­ge­ge­ben haben, als ein­ge­nom­men. Prin­zi­pi­ell ist die MwSt./USt. immer nur ein durch­lau­fen­der Pos­ten. Am bes­ten legst du am Anfang die ein­ge­nom­me­nen Mehr­wert­steu­ern immer zur Seite (am bes­ten auf ein ande­res Konto). So ver­hin­derst du einen finan­zi­el­len Eng­pass, wenn Zahl­tag beim Finanz­amt ist. 

Fazit

Du siehst also, dass du mit einer frei­be­ruf­li­chen Neben­tä­tig­keit oder einem Neben­ge­werbe prin­zi­pi­ell so viel ver­die­nen kannst, wie du möch­test. Du soll­test ledig­lich Frei­be­träge beach­ten, wenn du bei­spiels­weise Klein­un­ter­neh­mer sein (und blei­ben) oder keine Gewer­be­steuer zah­len möch­test. Auch ein Sprung in eine andere Steu­er­klasse ist etwas, das du beach­ten kannst, um Steu­ern zu spa­ren.

Auf die ver­schie­de­nen Modelle der selbst­stän­di­gen Tätig­kei­ten werde ich in wei­te­ren Arti­keln noch genauer ein­ge­hen. 

Bedenke unbe­dingt dei­nen Arbeit­ge­ber zu Infor­mie­ren bevor du dich neben­be­ruf­lich selbst­stän­dig machst. Du brauchst auf jeden Fall seine schrift­li­che Erlaub­nis — andern­falls gilt deine nicht gemel­dete Selbst­stän­dig­keit als Kün­di­gungs­grund. Aller­dings ist dies risi­ko­frei, denn er kann dir deine Tätig­keit in der Regel nicht ver­bie­ten.

Schreibe einen Kommentar

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Datenschutz

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen